Erfahrungsberichte

Im Rahmen der Hochschulerkundungswoche haben Sina und Julia diese beiden persönlichen Erfahrungsberichte erstellt, um euch einen Einblick in das Studium der Pharmazie in Marburg zu geben.

„Endlich Studium!?!“ von Sina

Willkommen an der Philipps Universität 😉 und noch mehr freut es mich, dass du dich für den Fachbereich Pharmazie interessierst. Aus Erfahrung weiß jeder Student, dass erste gesammelte Informationen über das Studium ebenso viele neue Fragen aufwerfen können. Wie sieht der Alltag des typischen Pharmaziestudenten überhaupt aus? Was wird in den Vorlesungen genau durchgenommen und wie gestaltet sich der praktische Unterricht?  Daher möchte ich versuchen, dir auf diese Fragen auch Antworten zu liefern.

Mein Name ist Sina und ich studiere Pharmazie im 3. Semester.

Nach meiner Hochschulerkundungswoche stand für mich fest, einen Studiengang aus dem medizinischen Bereich zu wählen. Der Fokus meines Interessengebietes lag mehr auf der Therapie und Heilung von Patienten und weniger auf den Diagnosen und dem Erkennen von Krankheiten. Die erste Frage, die aufkam, lautete: „Welcher Studiengang ist der „Richtige“ für mich?“ An verschiedenen Hochschulen bewarb ich mich für Biochemie, Chemie, Biomedizin oder Biomedizinische Chemie, Pharmazie, … und wie sie sonst noch alle heißen.  Meine Eltern lenkten mich schließlich Richtung Pharmazie und durch ein Gespräch mit einer Freundin, die Pharmazie studierte, fiel meine Entscheidung und ich landete in Marburg.

Das erste Semester stellte gleich die erste Hürde dar. Das Lernen wurde intensiver, Freizeit wurde kürzer und der Bammel vor der ersten Klausur an der Uni wuchs. Gemeinsam mit ca. 150 Kommilitonen lernte ich neue Erfahrungen kennen. Die Themen des ersten Semesters können für viele als eine Art Wiederholung der Themengebiete aus der Schule angesehen werden. Atomaufbau, Stöchiometrie, Redoxreaktionen, Säure-Base Eigenschaften… Es folgt die erste Bewährungsprobe, die SLK (oder schriftliche Leistungskontrolle 1). Wer diese besteht, wird sein Studium regulär fortsetzen können und am praktischen Unterricht teilnehmen. In diesem sind eure Spürnasen gefragt. Wer findet die richtigen Ionen (Al3+, SO42-, K+ … und viele mehr) aus eurer Analysenprobe, die ganz simpel auch ein weißes Pulver darstellen kann. Selbst Sherlock Holmes wäre an dem ein oder anderen Gemisch verzweifelt, so viel kann ich verraten ;).

Die Stundenpläne der Pharmazeuten sind zeitlich gut organisiert. In Glanzzeiten verlässt man seine Wohnung morgens um viertel vor acht und kommt abends um sechs Uhr wieder nach Hause. Triffst du deine Wahl für Pharmazie, suchst du dir einen Studiengang aus, in dem viel Lernen zum Alltag gehört. Das vermittelte Wissen durch die Dozenten und Professoren will gut verstanden sein, da es in den Klausuren sehr genau abgefragt wird. Auch ein Blick über den Tellerrand kann in diesem Fall nicht schaden. Hört sich ziemlich schlimm an, aber das ist es nicht. Mit dem Studium lernt man immerhin auch viele neue Gesichter kennen und es können sich Freundschaften entwickeln, die ein Leben lang halten. Wenn es eine Sache gibt, die im Pharmaziestudium großgeschrieben wird, ist es Teamfähigkeit. Du wirst Freunde finden, die dir in schwierigen Situationen weiter helfen. Ihr unterstützt euch gegenseitig und lernt sehr früh, im Team zusammen zu arbeiten. Auch deine Kommilitonen aus höheren Semestern helfen jederzeit gerne, besonders unsere Fachschaft hat immer ein offenes Ohr. Du bist also nie alleine und kannst mit der Gewissheit das Studium anfangen, dass jede Hürde zu meistern ist ;). Das bedeutet: Auch wenn eine Klausur eine totale Pleite wird und du darüber nachdenkst aufzuhören, dann wirf die Flinte noch nicht ins Korn. Ungefähr knapp 600 Studenten, die auf acht Semester verteilt sind, erging es mal genauso. Wenn du dich für Naturwissenschaften interessiert, speziell Chemie, Biologie und auch ein wenig Physik (mit dem die Mehrzahl der Pharmazeuten auf Kriegsfuß steht :D), und mehr über Arzneimittel, ihre Herstellung sowie Wirkungen im Organismus lernen möchtest, dir die Frage stellst „Welche Pflanzen zählen zu den Heilpflanzen und wie findet der Wirkstoff aus ihnen den Weg in den menschlichen Körper?“, bist du mit Pharmazie an der richtigen Adresse. Auch wenn oft geflucht wird, macht es doch Spaß, so viel Neues und Wichtiges zu lernen, dass die Neugier und das Interesse auf das spätere Berufsfeld stetig wachsen.

Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in das Studentenleben geben und dir in der Entscheidungsfindung für den richtigen Studiengang weiterhelfen 😉

 

„Das Pharmaziestudium an der Universität Marburg“ von Julia

Hallo, mein Name ist Julia und ich studiere Pharmazie im fünften Semester an der Universität Marburg. Im Folgenden möchte ich dir einen kleinen Einblick ins Pharmaziestudium geben.

Ich entschied mich im Sommer 2010 dazu, Pharmazie zu studieren. Doch bevor man das Studium beginnen kann, muss man zunächst ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. Unter www.hochschulstart.de findet man alle Informationen, die man für die Bewerbung an jeder deutschen Universität im Studiengang Pharmazie braucht, da nur über die Homepage die Studienplatzvergabe für Pharmazie läuft. So orientierte auch ich mich an den dortigen Vorgaben und füllte das Bewerbungsformular aus. Dazu gehört auch, dass man eine Präferenz von maximal sechs Studienorten angibt. Meine erste Wahl fiel  letztendlich auf Marburg, da es zu meiner Zeit im Hochschulranking der Zeitschrift ZEIT sehr gut abgeschnitten hatte. Zudem ist es nur 200 km von meinem Heimatort entfernt, und die Uni Marburg bietet ein tolles Semesterticket, mit dem man außer dem ICE wirklich alle Verkehrsmöglichkeiten des Landes Hessen in jeder hessischen Stadt nutzen kann.

Anfang September 2010 war es so weit und ich bekam meine Zusage! Da die Bewerbungsverfahren über Hochschulstart deutlich später abgeschlossen sind als bei anderen Studiengängen, erwies sich die anschließende Wohnungssuche als schwierig: Der Wohnungsmarkt war schon ziemlich abgegrast. Doch hier heißt es: Keine Panik! Zur Not nimmt man halt erst einmal ein Zimmer zur Zwischenmiete und sucht sich im Laufe des Semesters eine bessere Wohnmöglichkeit. Denn wenn man sich erst einmal in Marburg befindet, erfährt man auch schneller von neuen Wohnungsangeboten, die entweder im Internet zu finden sind oder in den verschiedenen Fachbereichen oder auch in Supermärkten aushängen.

Dann begann das erste Semester. Starteten mit mir noch ungefähr 100 Studenten,  so liegt die momentane Studentenanzahl im ersten Semester bei ca. 160 Studenten. Durch den Wegfall von Bundeswehr und Zivildienst und die Doppeljahrgänge beim Abitur sind die Zahlen gestiegen, doch die Universität Marburg scheint damit ganz gut klar zu kommen, sodass jedem Studenten nach wie vor die gleiche Bildung ermöglicht werden kann.

Allgemein gesagt, bestehen die kompletten acht Semester eines Pharmaziestudiums hauptsächlich aus chemischen und biologischen Vorlesungen und Praktika. Doch zunächst geht es in den ersten Semestern darum, die für den späteren Beruf erforderlichen Grundlagen anhand eines breit gestreuten Fächerspektrums zu erlernen. Daher umfasst der Stundenplan im ersten Semester die  Fächer Chemie, Biologie, Grundlagen der Anatomie und Physiologie, Physik, Mathe, Terminologie und Toxikologie.  Wenn du dir jetzt zum Beispiel denkst: „Physik? Damit wollte ich doch nie wieder etwas zu tun haben!“ Auch hier keine Panik – es wird nichts Unmögliches verlangt und man hat diese Fächer auch nicht permanent, sondern nur 1 – 2 Semester.

In jedem Semester finden zu einem Teil der Vorlesungen auch noch Praktika statt, die am Semesterende erfolgreich abgeschlossen sein müssen. Meist laufen sie während der Vorlesungszeit parallel zu den Vorlesungen, in seltenen Fällen jedoch findet auch mal ein Praktikum während der Semesterferien statt.

Nun ein paar Fragen, die häufig gestellt werden:

„Muss ich Chemie in der Schule als Leistungskurs gehabt haben, um mit dem Vorlesungsstoff überhaupt mitkommen zu können?“

Dies kann ich ganz klar mit „Nein!“ beantworten. Die Professoren fangen bei den chemischen Grundlagen bei null an und arbeiten dann alles auf – zwar deutlich schneller, als so ein Stoff in der Schule behandelt wird, aber die meisten Studenten kommen gut mit. Speziell in Chemie gibt es parallel zur Vorlesung auch noch Tutorien, in denen der Vorlesungsstoff noch einmal in Übungen aufgearbeitet wird. Dennoch wird ein gewisser Fleiß vorausgesetzt und man muss natürlich den Willen haben, sich mit Chemie auseinanderzusetzen – denn Chemie ist wirklich das Fach, das bis zum achten Semester die meisten Vorlesungsstunden in Anspruch nimmt.

„Ist das Studium denn schwer?“

Die Frage kann man nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Ich glaube, den wenigsten Pharmaziestudenten fliegt der Lernstoff einfach so zu und die meisten werden sich auch für längere Zeit hinter den Schreibtisch setzen müssen, um so wirklich zu kapieren, was der Professor einem in der Vorlesung jetzt eigentlich genau mit seiner Folie sagen wollte. Es ist reichlich Stoff, der zu lernen ist, und „ja“, es ist nicht gerade immer einfach. Aber wenn man es wirklich will, schafft man das, auch wenn es anspruchsvoll ist.

„Ist das Studium zeitintensiv?“

Auf jeden Fall! Das möchte ich dir auch gar nicht schön reden. Ich bin meistens von 9 bis 18 Uhr in der Uni, manchmal hat man Zeit zum Mittagessen, manchmal auch nicht. Abends nach der Uni sollte man sich zumindest ein bisschen Zeit nehmen, den Vorlesungsstoff des Tages noch einmal anzuschauen. Spätestens kurz vor der Klausurenphase ist man dann froh, den Inhalt nicht noch einmal von Anfang an durchgehen zu müssen. Während der Praktika wird meist verlangt, dass man sich für den nächsten Versuchstag gut vorbereitet – und dieses Wissen wird auch des Öfteren in einer kleinen mündlichen Prüfung abgefragt. Auch dafür wird so mancher Abend und auch manches Wochenende verwendet. Also zeitintensiv „ja“, aber man hat dennoch im Monat durchschnittlich ein bis zwei Wochenenden frei, um ein bisschen Zeit für sich zu haben – und auch die Möglichkeit, Studentenpartys zu besuchen, ist reichlich gegeben.

Also du siehst, alles ist machbar!

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